Literatur goes Medizin

... oder auch: Medizin goes Literatur ..... Literatur in der Medizin? Jawohl!

 

Narrative Medizin? Schon einmal gehört? Wenn nicht: Keine Sorge, der Begriff ist noch recht unbekannt. Im Gegensatz zu den deutschen Universitäten gehört seit vielen Jahren die Disziplin "narrative medicine" zum Lehrplan der Medizinstudenten an einigen großen amerikanischen Universitäten. Die Uni Mainz ist die einzige (mir bekannte) Uni in Deutschland, die sich diesem Aspekt der Medizin intensiv widmet. 

Eine Mitbegründerin der narrativen Medizin, die Internistin Prof. Dr. Dr. Rita Charon, sagte im Rahmen ihres Vortrags im Dezember 2015 an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz über ihre Arbeit als Ärztin: "Ich operiere nicht, ich bringe nichts zur Welt.[...]Die Leute kommen, um mir etwas zu erzählen.

Daraus entsteht meine Diagnose. Eines Tages wurde mir klar, dass ich im Grunde bezahlt wurde, um genau zuzuhören [...]." Quelle: http://bit.ly/2achZB9

 

Der Arzt, der zuhört und sich für die Lebens- und Leidensgeschichte des Patienten interessiert und der Arzt, der sich Zeit nimmt und nehmen kann, scheint (fast) der Vergangenheit anzugehören - was sicherlich auch gesundheitspolitische Gründe hat und sehr an der schlechten Abrechnungsmöglichkeit für Gespräche liegt. Sokrates und der Michael Balint (1896-1970) sagten beide (sinngemäß), dass die richtig verwendeten Worte für eine Besserung unabdingbar und sogar notwendig sind, damit die eingeleitete Therapie des Arztes überhaupt wirken könne. 

 

Das soll keine Abwertung der evidenzbasierten Medizin sein, sondern eine Aufwertung der narrativen Medizin (schreiben, lesen, zuhören, Geschichten hören und erfahren) sein - beides kann gut nebeneinander bestehen. Die Wirkung des Erzählens und Schreibens von Geschichten wurde bereits durch mehrere Studien belegt:

 

Die heilsame Wirkung von Geschichten…

Geschichtenerzählen [57, 60] und das Schreiben von Geschichten kann heilsam sein. Niedergeschriebene Geschichten eignen sich hervorragend, um eine Brücke zu bauen zwischen den Welten der Betroffenen, der Angehörigen sowie der Ärzte, Therapeuten und Pflegenden [61]. Mehrere Studien belegen die heilsame Wirkung des Schreibens [62, 63], und zwei klinische Studien weisen deutliche Veränderungen körperlicher Parameter nach (verbesserte Lungenfunktion bei Asthmapatienten, verringerte Krankheitsaktivität bei rheumatischer Arthritis, erhöhte Immunantwort bei Hepatitis B Impfung) [64]. Quelle: http://bit.ly/2atB65O

 

Wie die Arbeit zwischen Medizinern und Literaturwissenschaftlerin an der Uni Mainz aussieht und wie Ärzte mithilfe von Literatur eine gute Form der Patientenkommunikation lernen, lässt sich in einem 4,5 minütigen , SWR 2 Beitrag mit dem Titel "Lebensgeschichte - Narrative Medizin" (In Mainz lernen Mediziner neben den wissenschaftlichen Fakten auch die Lebensgeschichte der Patienten zu berücksichtigen. Literatur soll dabei helfen) anhören: http://bit.ly/2alLA8B

 

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