#schreibdichglücklich: Über Briefe, Glück und Depressionen

"Depression bedeutet nicht Abwesenheit von Glück"

 

"Depressionen sind ernsthafte Erkrankungen."

 

Diese Sätze möchte ich laut und stark bejahen und mit dem Kopf zustimmend nicken. Glück und Depressionen scheinen so gegensätzlich und doch lassen sich Brücken schlagen ....

 

Vor wenigen Tagen erreichte mich eine Mail, die mich
dazu bewegte, die Aktion #schreibdichglücklich und die Ansicht der Poesieapotheke generell deutlich hervorzuheben. 

 

Depressionen sind ernsthafte Erkrankungen

 

Depressionen sind eine Krankheit und eine Krankheit ist immer ernsthaft - oder gibt es "unernste" Erkrankungen?!

Vielleicht muss es bei einer solchen psychischen Erkrankungen noch betont werden. Zu oft wird sie verwechselt mit Traurigkeit oder "mal schlecht drauf sein". Die Gleichung "depressiv sein = Depressionen" geht nicht auf. Das eine ist eine Stimmungsvariante, das andere eine Krankheit, auch wenn die Übergänge fließend sein können. Für Nicht-Betroffene ist eine depressive Episode sicherlich nicht vorstellbar. Angehörige können vielleicht einen unmittelbaren Eindruck bekommen, verstehen werden es auch sie nicht können. Es wäre vielleicht auch anmaßend dies zu versuchen oder gar zu sagen "Das kenne ich auch".

 

Depressionen sind mehr als die Abwesenheit von Glück

 

Depressionen haben auch nichts mit "nicht wollen" oder gar "Faulheit" zu tun. Depressiv erkrankten Menschen fehlt kein Anstupser zum Briefeschreiben, um wieder glücklich zu werden. Nein, ich weiß, das geht nicht auf...

 

Das Word "Glück" erscheint immer so gewaltig und groß, doch was ist damit gemeint? Ich unterscheide - wie auch viele andere - das kleine Glück, das nur wenige Minuten, Stunden, Tage oder Wochen andauert und das große Glück, das vielmehr ein Wohlbefinden, eine innere (Lebens-)Zufriedenheit ist. Das kleine Glück kann zum großen beitragen - viele kleine schöne Momente fügen sich zusammen zu einem Schatz, den ein Mensch immer bei sich tragen und wovon er zehren kann.

 

Depressionen haben 1000 Gesichter. Sie sind mal kurz, mal sehr lange. Einmalig oder chronisch. Sie können kleine Narben oder große Schäden hinterlassen. Aber: Sie sind auch behandelbar. Und ein Baustein einer (Verhaltens-)Therapie kann das sein, was auch für so viele gesunde Menschen nützlich ist: Ein Tagebuch führen, in dem schöne Momente des Tages festgehalten werden, um den Fokus wieder auf die kleinsten netten Dinge im Leben zu lenken. Oder: Guttuende Erlebnisse wahrnehmen, festhalten (gerne auch schriftlich) und sich in schlechten Zeiten daran erinnern, was das Leben ausmacht(e). Und immer wieder: Nicht alleine sein, in Kontakt mit Menschen treten.

 

Genau das ist auch das Ziel der Poesieapotheke (und auch von #schreibdichglücklich): Impulse setzen, zum Nachdenken anregen, Schönes bewusst ins Leben lassen, Verbindungen zwischen Menschen entstehen lassen.

 

Die Poesieapotheke nimmt diese Erkrankung ernst und will sie defintiv nicht kleinreden - ganz im Gegenteil: Aufklärung ist noch immer so notwendig und adäquate Behandlung wichtig bis lebensrettend. "Schuld" ist im Zusammenhang mit Depressionen oft anzutreffen, obwohl das Wort hier absolut nichts zu suchen hat. Keiner hat Schuld an einer Erkrankungen. Sobald es aber möglich ist, können kleine Schritte - wie das Sammeln und Bewusstmachen schöner Momente, das Schreiben eines Briefes, der Kontakt zu anderen - helfen, zurück in ein lebenswertes Leben zu finden.

 

 

 

 

P.S.: "Heilen" kann und will die Poesieapotheke nicht. Wer (psychisch) krank ist und Hilfe braucht, wendet sich bitte an seinen Hausarzt, einen Psychiater oder Psychotherapeuten.

 

 

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