Wunderfitzig! Ein Interview mit der Glücksministerin Gina Schöler über schöne Wörter, Briefliebe und Lieblingsgeschichten

Gina Schöler, Ministerium für Glück und Wohlbefinden
Foto: Marco Schöler
Die Glücksministerin Gina Schöler hat gemeinsam mit der Poesieapotheke die Aktion #schreibdichglücklich ins Leben gerufen. Nun ist es Zeit, Gina einmal zu fragen, ob sie denn gerne Briefe schreibt und was das geschriebene Wort für sie bedeutet.

 

 

Poesieapotheke: Liebe Gina, wie viele Briefe bekommt das Ministerium im Durchschnitt pro Woche?
Gina: Das ist unterschiedlich, aber durch all die Bestellungen des ministerialen „Glücksspiels“ schicken die Leute mir sehr viele frankierte Rückumschlage. Die sind meistens nicht leer, sondern es liegt immer noch eine kleine Notiz, eine Karte, ein Kalenderspruch, ein gefundenes Zitat oder sogar auch etwas Selbstgemachtes mit dabei. Ein liebes Dankeschön, ein Smiley – egal welchen Brief ich öffne, um ihn zugleich wieder mit Glücksspielkärtchen auf den Weg zu schicken, ich habe ein Lächeln im Gesicht und bin dankbar, Teil davon sein zu dürfen. Je nach Aktion sind es mal mehr und weniger Briefe, so zwischen 3 und 10 pro Tag, schätze ich. Mein Briefträger schmunzelt immer schon, wenn er zu uns in den Hausgang kommt und sich den Briefkasten des Ministeriums vornimmt.
Foto: Gina Schöler, Aktion #schreibdichglücklich
Foto: Gina Schöler, Aktion #schreibdichglücklich
Wodurch unterscheiden sich die Briefe von den (Feedback-)Mails? 
Bei den Briefen toben sich die Menschen quasi aus. Man merkt, dass sie einfach viel Spaß daran haben, mit echtem Papier zu arbeiten, sie schneiden Schnipsel und Fundstücke aus Zeitungen und Zeitschriften aus, entstauben die alten Füllfederhalter und man merkt den Briefen wirklich an, dass sie mit Freude in den Briefkasten geworfen wurden. Natürlich sind auch alle die E-Mails herzlich und nett und ich freue mich über jede einzelne geschriebene Zeile - zumal es aufregend ist, in „Echtzeit“ darauf reagieren zu können. Dennoch bewahrt man solche Mails dann doch nicht in der Form auf, wie ich es in der großen Schachtel mit den ministerialen Briefe tue.

 

Schreibst du noch Postkarten aus dem Urlaub? Oder Briefe an Freunde? 

Ja, das mache ich tatsächlich! Aus dem einfachen Grund, weil ich weiß, wie sehr sich die Leute freuen und ein postalischer Gruß ist einfach nicht zu vergleichen mit einer digitalen Nachricht. Besonders gerne habe ich immer meiner Großmutter von all den Reisen in ferne Länder geschrieben. Sie war immer so herzlich entzückt, zu sehen, wo es uns hinverschlägt und was ich zu erzählen habe. All meine Karten hingen bei ihr an der Wand, es wurde im Laufe der Jahre eine riesige Collage.

Auch als Kind und Jugendliche hatte ich leidenschaftliche Brieffreundschaften. Mit gebastelten Briefen, die teilweise ewig lang waren, hielten meine Brieffreunde und ich unsgegenseitig auf dem Laufenden, was das Leben so mit uns treibt. Diese Konservierung meiner Jugend existiert bis heute in liebevoll gestalteten Briefordnern.

 

Schreibst du selbst gerne? Macht dir die Tätigkeit Freude?
Ja, schon immer habe ich gerne geschrieben, habe Aufsätze und Kurzgeschichten verfasst, ewig lange Briefe an meine Lieblingsmenschen geschrieben, nun darf ich das fast täglich in meinem Beruf ausüben, was sehr viel Spaß macht und viele Menschen erreicht, wie bspw. über meine Blogeinträge, Social Media, etc.

Als mein Buch letzten Herbst erschien, habe ich es tatsächlich in einem Päckchen an meine Grundschullehrerin geschickt. Sie hat meine Aufsätze immer sehr gelobt und mich damals schon ermutigt, mich dem geschriebenen Wort zu widmen. Sie hat einen der vielen Grundsteine gelegt und dafür bin ich sehr dankbar. Und dreimal darfst du raten, was ich als Dank zurück bekam: Einen liebevoll handgeschriebenen Brief von ihr! Das ist Glück.

 

 

Hast du Wörter, die du sehr magst bzw. welche, mit denen du etwas Schönes verbindest?

Ich liebe Wortakkrobatik und bin immer begeistert, wenn Menschen Worte benutzen, die ich noch nicht kenne, zum Beispiel aus anderen Dialekten. Manchmal habe ich sogar Ohrwürmer von Wörtern.

Besonders amüsiert hat mich neulich eine Wortneuentdeckung: wunderfitzig
Ist das nicht zauberhaft? Es bedeutet soviel wie "neugierig", was auch gut zu mir passt. Wunderbar, witzig, flink, neugierig: Wunderfitzig.

 

Jorge Burcay, Komm ich erzähl dir eine Geschichte, Der angekettete Elefant
Welche Geschichte(n), die du mal gelesen hast, sind für die Glücks- oder Kraftspender, deine "Schätze" ? 

 Da gibt es ganz viele verschiedene, die mich je nach Lebensabschnitt begleitet haben. 

Bemerkenswert und auch immer wieder schön sind die Geschichten von Jorge Bucay, vor allem Der angekettete Elefant hat es mir angetan. Viele Geschichten von Janosch finde ich nun als Erwachsene auch wieder sehr interessant. Und natürlich all die berührenden Kurzgeschichten über das kleine Glück, die mich im Laufe des Verfassens meines Buches Das kleine Glück möchte abgeholt werden von Fans und Freunden des Ministeriums erreichten. Hier hat sich immer wieder gezeigt, dass das Glück wirklich überall darauf wartet, entdeckt zu werden.

 

Welche Bücher würdest du immer wieder lesen?
Immer wieder lesen kann ich Das Café am Rande der Welt, ich finde diese Energie und die Aufbruchstimmung genial. 
Nach wie vor verehre ich Momo. Die Geschichte, das Thema – aktuelle denn je. Wir alle lassen uns ja immer mal wieder unsere kostbare Zeit rauben, nicht wahr? ;) Da hilft so ein kleiner Reminder in Form einer solch wunderbaren Geschichte. Es wird mal wieder Zeit, das alte Kinderbuch hervorzukramen!
Danke, liebe Gina!

Das Ministerium für Glück und Wohlbefinden ist ein interaktives Kunstprojekt und die provozierende Metapher einer multimedialen Kommunikationskampagne, welche die Themen Glück und Lebensfreude spielerisch, humorvoll und kreativ ins Gespräch bringt und zum Umdenken und Mitmachen motiviert.

 

www.ministeriumfuerglueck.de

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Kommentare: 1
  • #1

    Amrita (Sonntag, 19 März 2017 23:05)

    Wunderfitizg ist schon seit meiner Kindheit eins meiner Lieblingswörter.
    Schön, es hier wieder zu finden - auch ein kleines Glück.
    Glückliche Grüße, Amrita