Tipps für das ideale Gespräch - Vorbereitung mit Stift und Papier

Wann das Schreiben nicht hilft und sogar manchmal schaden kann, habt ihr im letzten Blogpost erfahren: Immer dann, wenn der eine Schreibende etwas kurz und knapp, zwischen Tür und Angel verfasst und versendet – ohne sich bewusst zu sein, welche Wirkung Worte haben können und wie schnell sie anders verstanden werden können als beabsichtigt. Missverständnisse hallo!  


Das geht natürlich besonders leicht bei SMS, Whatsapp und unter Umständen auch bei Mails. Diese Medien sind natürlich dafür da, schnell Infos auszutauschen, sich zu verabreden oder einen kleinen Gruß zu verschicken.

Problematisch kann es werden, wenn du sie nutzt, um Gespräche zu führen. Und: Wenn du dir keine Zeit nimmst.

 

Jetzt möchte ich dir 4 Möglichkeiten nennen, wie du das Schreiben extrem sinnvoll nutzen kannst. Nämlich so, dass du danach ganz leicht richtig gute Gespräche führen kannst – privat und beruflich. Vor allem schwierige Gespräche werden durch diese Übungen gleich viel leichter und effizienter. Ich habe diese vier Impulse in der Vorbereitung auf mündliche Prüfungen beispielsweise selbst genutzt und sie waren mir eine richtig gute Hilfe. Mir fiel es in der Prüfung wesentlich leichter, souverän aufzutreten und auch dann kompetent zu wirken, wenn mir nicht direkt die richtige Antwort einfiel ;).

Und hier kommen die Tipps und Impulse zum Ausprobieren.

Eines ist ganz wichtig: Du solltest dir Zeit nehmen. Für doch, deine Gedanken und Gefühle und für den anderen, dein Gegenüber. Um dich in ihn oder sie hineinzuversetzen und dir zu überlegen, wie du deine Empfindungen am Besten formulierst.

 

 

1. Schreib alles auf, was in deinem Kopf umherschwirrt!

 

Manchmal ist es kaum möglich ein schwieriges Gespräch zu führen, wenn man die andere Person direkt vor sich hat und ihr in die Augen schaut. Kennst du das? Entweder die richtige Worte fehlen, du wirst unsicher oder ein lieber Blick, eine nette Geste und schon möchtest du das eine schwierige Thema nicht mehr anspringen?


Nimm dir ein Blatt Papier und schreibe in Ruhe auf, was du zu sagen hast, was dich stört und ärgert, was du dir wünschst oder erwartest, auch was gut läuft oder dich freut bzw. gefreut hat und warum. Schreibe alles auf, was du gerne sagen möchtest und nimm dir dafür Zeit. Du kannst natürlich auch einen Brief an die entsprechende Person schreiben und alles frei runterschreiben. Nur ganz wichtig: Schicke diesen Brief nicht ab. Er ist nur für dich, um ganz unreflektiert und frei alles runterzuschreiben, was in dir umherschwirrt.

Stehe danach auf, beschäftige dich etwas ganz anderem und setze dich nach ein paar Minuten (oder Stunden) wieder vor dein Blatt Papier und gehe deinen Text durch: Wie oft hast du „DU“ geschrieben? Oder „immer“, „jedes Mal, „nie“, etc. „Du bist so faul. Du bist ungerecht. Du machst immer X und Y“ Überlege mal, könntest du den Satz nicht umformulieren, damit der andere vor lauter Anschuldigungen nicht zurückschreckt und ihr keine Basis für ein Gespräch mehr findet? "Ich bin traurig, ich empfinde es als Ungerechtigkeit, wenn.... Ich fühle mich dort nicht wohl, weil..."

 


2. Schreib einen Brief!


Du kannst zunächst den Impuls Nr. 1 machen und anschließend einen Brief schreiben oder nur den Brief bzw. eine ausführliche E-Mail. Wenn du vorab alle deine Empfindungen, Gedanken und Gefühle aufgeschrieben hast, überlege dir, was der andere davon wissen sollte. Vielleicht hast du auch etwas aufgeschrieben, was für deine eigene Entlastung gut war, aber den anderen doch zu sehr verletzen könnte?! Oder etwas, das du im ersten Affekt zu intensiv formuliert hast.
Nimm dir auch für diesen Brief (oder die Mail) ausreichend Zeit und überlege dir vorab, wie du ihn formulieren willst.

Variante: Vielleicht wird aus dem einen Brief sogar ein Briefaustausch über das Gesprächsthemad?! Es kann leichter fallen, Gedanken in Ruhe aufzuschreiben als sie spontan zu äußern und dabei noch dem/der anderen in die Augen zu schauen. Diese Variante - wie auch grundsätzlich das Briefeschreiben - ist im privaten Kreis sehr effektiv.
Im beruflichen Kontext würde ich eher zu einem persönlichen Gespräch raten, dem der nächste Impuls vorausgehen kann.

 


3. Schreibe ein Drehbuch oder Theaterstück!

Du willst dich ideal auf ein Gespräch – face to face – vorbereiten und auf möglichst jede Aussage schnell und souverän antworten? Dann kann es dir helfen, ein Drehbuch oder ein Theaterstück für ein Zwei-Personen-Spiel zu schreiben. Protagonisten: Dein Gesprächpartner und du. Schreibe verschiedene Varianten auf, was dein Gesprächspartner so alles fragen und sagen könnte und wie du darauf reagierst. Spinne daraus das Gespräch immer weiter. Wichtig ist, dass du in diesem Drehbuch und deiner Rolle alle Aspekte aufschreibst, die dir wichtig sind und die du unbedingt sagen willst. In welchen Varianten könntest du sie unterbringen? Und wie einen schönen Übergang zu deinen Themen schaffen oder darauf zurückkommen, auch wenn das Gespräch in eine ganz andere Richtung geht?



4. Schreibe, höre zu und erzähle!

Diesen Impuls kannst du nur mit einer Person machen, die du sehr gut kennst. Also mit dem Chef eher nicht ;)
Jeder von euch - dein Gesprächspartner und du - nimmt sich ein Blatt Papier und einen Stift. Dann gebt ihr euch ein paar Minuten Zeit, in der jeder für sich und in Gedanken eine Frage beantwortet, die so lautet: „Was (welches Problem?) beschäftigt mich in letzter Zeit am meisten?“ Es sollte in diesem Fall eine „Beziehungsfrage“ sein, d.h. welches Problem hast du mit dem Gegenüber, was beschäftigt dich, o.ä..  Natürlich geht das aber auch mit einem beliebigen Thema oder Problem, das du ausdrücken möchtest.

Nachdem jeder sein Thema/sein Problem für sich festgelegt hat, gebt ihr euch 10 Minuten Zeit, um darüber zu schreiben. Schreibt frei alles auf, was euch dazu einfällt.

Anschließend liest einer vor und der andere hört nur zu, macht sich ggf. Notizen und danach wechselt ihr die Rollen. Wenn beide zugehört und gelesen haben, sagt jeder, was er gehört (!) hat. Was ist hängengeblieben? Welche Emotionen hat der Text ausgelöst? Wie fühlt sich das an?
Dieser Impuls ist ein guter Einstieg in ein Gespräch. Jeder hat seine Rede- und Zuhörzeit, keiner fällt dem anderen zunächst ins Wort und es sehr konkret darum, was gesagt, wie es gemeint und wie verstanden wurde.

 

Ich wünsche euch viel Spaß beim Ausprobieren! Wenn du noch Fragen haben oder eine eine Gesprächssituation schriftlich durchspielen möchtest, melde dich gerne. Im Rahmen eines Einzelcoachings/-mentorings können wir das super machen.

 

Herzlichst

Eure Frau Nordpol

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