Warum du unbedingt häufiger deine Handschrift nutzen solltest

Handschrift, Papier und Stift, Kreatives Schreiben im Café

Seit dem Handlettering-Boom ist das Schreiben auf Papier wieder ziemlich in Mode gekommen - allerdings nur das bewusste Schönschreiben und Gestalten. Was ist mit der ganz normalen, eigenen und individuellen Handschrift, die keinen besonderen Regeln folgt, weil sie mal schief und krumm, unordentlich oder auch schwer leserlich sein kann?

 

Die eigene Handschrift soll in diesem Artikel gefeiert werden und ich zeige dir, warum du wieder mehr mit der Hand schreiben solltest.

Kannst du dich noch daran erinnern, wie du deine ersten Buchstaben gemalt hast? 

Weißt du noch, wie dein erster Füller aussah?
Kennst du die Freude, wenn in deinen echten Briefkasten – dem vor der Haustür – handgeschriebene Briefe oder Postkarten flattern?
Konntest du früher auch anhand der Handschrift erkennen, wer deiner Bekannten einen Text oder Brief geschrieben hat und heute weißt du kaum mehr, wie die Schrift deiner besten Freunde aussieht?


Du und deine Handschrift

Deine Handschrift bist du! Es wird Handschriften geben, die deiner ähnlich sind, aber exakt deine Handschrift ist einzigartig und individuell - mit all ihren Formen und Schwüngen, mit großen, kleinen, schmalen oder breiten Buchstaben, aneinander hängend oder Buchstabe für Buchstabe, mit runden Pünktchen oder Strichen.

Die Computerschriften sehen immer gleich aus - egal wie oft du das "A" in Arial tippst oder ob ein anderer das Arial "A" verwendet. A bleibt A.

 

Deine Handschrift hingegen sieht nie exakt gleich aus, sie zeigt, ob du in Eile bist, schnell geschrieben oder dir Zeit gelassen hast, sie entwickelt sich mit dem Alter – vom ersten Buchstaben an. Es ist wie ein kleines Tagebuch, wenn du auf alte Texte zurückblickst. Außerdem ist kein Fehler einfach mit einer „delete“-Taste zum Verschwinden zu bringen. Selbst der beste Tintenkiller erinnert an Fehler oder Ideen, die doch nicht weiternotiert werden sollte. Daneben gibt es durchgestrichene Wörter und ganze gestrichene Textpassagen, die es richtig spannend machen handgeschriebene Texte neu zu lesen - vielleicht überraschen dich so auch deine eigenen älteren Schriftstücke, wenn du sie mit einem Abstand liest?!

Buch mit alter Handschrift

Fehlerfrei gibt es nicht, perfekt auch nicht – warum also beim Schreiben so tun als ob?!

 

Deine Handschrift ist also dein persönliches Merkmal und verleiht deinen Texten eine authentische Note. Wenn ein Brief mit deiner Handschrift geschrieben ist, wirst du auch du die Person sein, die ihn geschrieben hat und niemand sonst.

Kennst du auch die Weihnachtskarten von Unternehmen, die ihre Unterschrift unter den Texten und die Karten dann kopieren? Hier wird bewusst versucht, ein Gefühl von persönlichem Schreiben und Authentizität herbeizuführen.

 

 Was deine Handschrift bewirken kann

 

Mich fasziniert es so sehr, dass die Handschrift nicht nur mit einem Stift auf Papier gebrachte Buchstaben sind, sondern dass sie auch einiges bewirken kann. Wenn du dich jetzt fragst, was sie denn bitte bewirken soll, kann ich dir schon verraten, dass es um bessere Merkfähigkeit, gesteigerte Kreativität und eine Portion Achtsamkeit geht. Yeah, kann man immer gut gebrauchen, oder? Jetzt wirds aber erstmal konkreter:

 

Du kannst dir Informationen besser merken kannst, wenn du sie mit dem Stift notierst. Zugleich wird durch das handschriftliche Schreiben deine Kreativität gefördert. Das ist nicht nur si dahin gesagt, weil es so schön klingt, nein, es sind die Ergebnisse, die in Studien gewonnen wurden. Da du länger brauchst, wenn du mit der Hand schreibst, hast du mehr Zeit, über das Geschriebene nachzudenken, es mit vorhandenen Informationen automatisch zu verknüpfen oder dir neue Gedanken dazu zu machen. Dabei purzeln fast automatisch frische Ideen aus deinem Kopf, denn dein Hirn befindet sich schon im Modus „kreativ sein".

 

Der entschleunigte Stift

Schreibfeder - Sei wild und frech und wunderbar

Na, ok – ein Stift kann nicht entschleunigten, aber du kannst es MIT dem Stift. Schreiben mit der Hand für mehr Ruhe, Achtsamkeit und Konzentration heißt es dann. Du bist nämlich viel fokussierter auf dein Tun, wenn du mit der Hand schreibst. Und wenn du später noch deine eigene Schrift lesen willst, schreibst du automatisch langsamer als du auf der Tastatur tippst.

Außerdem gibts noch die schönen Schreibmeditationsübungen, die auch gerne bei Workshops anwende: Du lernst, natürlich angeleitet, dich auf einen bestimmten Aspekt zu konzentieren und den Moment wahrzunehmen und schreibst später darüber. Dadurch verstärkst du das Erlebnis, lernst zu beschreiben statt zu bewerten und kannst deine Empfindungen und Erfahrungen ausdrücken.

Und wenn es mal anstrengend wird, weil du das Schreiben mit deiner Hand nicht mehr gewöhnt bist, ist selbst das eine gute Chance: Mach eine Pause. Lehne dich zurück, kreise dein Handgelenk und blicke auf dein Schriftbild – das Bild voller Buchstaben, chaotisch oder regelmäßig . Nutze auch die Gelegenheit, dir alles geschriebene noch einmal durchzulesen und so einen Abstand dazu zu bekommen. Durch das erneute Lesen bist du auch ganz konzentriert und deine Gedanken beim Text und nicht schon irgendwo anders.

 

Spiele mit deiner Schrift - sei bei der Poesieapotheken-Challenge dabei!

 

Und damit es auf keinen Fall langweilig wird: Spiele mit deiner Schrift - schreibe in Druck- und Schreibschrift, mach Letterings, wenn du es kannst, unterstütze das Geschriebene mit Kritzeleien oder Sketchnotes, nutze unterschiedliche Stifte, Farben und Papiere.

 

Damit du auch direkt eine tolle Möglichkeit bekommst, das alles auszuprobieren und deine Handschrift (neu) kennenzulernen, wird es am Freitag eine Poesieapotheken-Challenge geben, von der auf Facebook und Instragram erfährst. Ich freue mich schon, sie dir vorzustellen und freue mich umso mehr, wenn du dabei bist.

Star_Buchstaben und Wörter malen

Ich werde auf jeden Fall auch meine Stifte schwingen. Also, save the date, lege dir schon Stifte und Papier bereit - am Freitag geht´s los.

 

Grüße an dich auf der Apotheke

Die Frau Doktor!

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Kommentare: 1
  • #1

    Maria Grohmann (Dienstag, 10 Oktober 2017 21:41)

    Liebe Simone,
    ich habe deinen Beitrag mit viel Spannung gelesen. Tolle Worte, die du für ein solch alltägliche und doch nicht selbstverständliche Tätigkeit gefunden hast. Als ich den Abschnitt las, in dem du beschreibst, wie stolz wir über die ersten Buchstaben waren, auch wenn sie nicht sonderlich schön gewesen sind, dachte ich gleich an einige meiner Patienten. Als Logopädin kenne ich es gut, wie stolz Patienten nach einem Schlaganfall sind, wenn sie das Schreiben wieder erlernen und erleben, wie die Schrift doch wieder ein Stück Selbstständigkeit zurückgeben kann. Gerade in diesen Situationen sind es häufig die nahen Verwandten, die wichtige Unterlagen überschreiben, Dinge für den Angehörigen klären. Doch ist es möglich, durch das Schreiben einzelner Buchstaben wieder die eigene Unterschrift (z.B.) anzubahnen, freue ich mich mit dem Stolz der Patienten mit.

    In einer Welt voll medienunterstützter Kommunikation ist es so wertvoll, etwas selbstgeschriebenes in den Händen zu halten. Und ich freue mich auch heute noch über Postkarten im Briefkasten �